Schmerzmittel: keine Bonbons
ASS, Paracetamol, Ibuprofen – etliche Wirkstoffe zur Behandlung von Schmerzen sind rezeptfrei erhältlich. Sie werden allerdings nicht nur in Schmerztabletten mit ihnen als alleinigem Wirkstoff angeboten, sondern oft auch in Kombination, beispielsweise mit Koffein. Dann hat man nach der Einnahme einer Schmerztablette auch noch einen aufputschenden Effekt, „der Kopf ist wieder frei“ und man fühlt sich insgesamt wohler. Dieser Effekt verleitet zum häufigen Gebrauch, beziehungsweise auch leicht zum Missbrauch.
Beispiel Paracetamol: Überdosierungen können tödlich sein
Wie aus Untersuchungen hervorgeht, ist Paracetamol in Großbritannien und auch in den USA die häufigste Ursache für akutes Leberversagen, wobei etwa die Hälfte der Vergiftungen unbeabsichtigt passiert.
1 Was viele nicht wissen: Bereits die Einnahme von zirka 12 Tabletten Paracetamol 500mg auf einmal, also 6 Gramm des Wirkstoffes, kann tödlich sein.
2 Für Kinder gelten entsprechend geringere Mengen. Um keinen falschen Eindruck entstehen zu lassen: Paracetamol ist in empfohlener Dosierung ein gutes, wirksames und nebenwirkungsarmes Schmerzmittel, daher ist es auch frei verkäuflich. Aber die Menge ist – wie so oft – entscheidend.
Ständige Anwendung: die schleichende Gefahr
Die tägliche Einnahme von Schmerzmitteln kann rasch zur Gewohnheit werden. Besonders Patienten mit Schmerzen des Bewegungsapparates kommen ohne ihre tägliche Schmerzmittelration oft gar nicht mehr in Gang. Schmerztherapeuten weisen immer wieder darauf hin, dass Deutschland im internationalen Vergleich ein Entwicklungsland in der Schmerzbehandlung ist. Wenn keine fundierte Schmerztherapie durchgeführt wird, versuchen viele Patienten, sich mit freiverkäuflichen oder sogar im Ausland beschafften Medikamenten selbst zu helfen.
Früher – und bis heute andauernd – gab es große Probleme aufgrund der dadurch ausgelösten Nierenschädigung
3: Tausende von Patienten in Deutschland brauchten eine Dialysebehandlung (Blutwäsche), weil ihre Nieren durch langjährigen Schmerzmittelgebrauch, beziehungsweise -missbrauch, zerstört waren. Hauptsächlich dafür verantwortlich war der Wirkstoff Phenacetin, ehemals weit verbreitet und in Kombinationspräparaten unter verschiedenen Namen im Handel. Mitte der 80er Jahre wurde er aus dem Verkehr gezogen. Damit ist das Problem aber nicht erledigt: Viele Schmerzmittel schädigen den Körper auf vielfältige Weise bei ständigem Gebrauch, belasten die Organe, erhöhen das Risiko für innere Blutungen, verlängern die Blutungszeit, können Asthmaanfälle hervorrufen und Benommenheit, Schwindel und Verwirrtheit auslösen.
Schmerzmittel können Schmerz verursachen
Auch gegen Kopfschmerzen werden häufig Schmerzmittel eingenommen. Ab einer bestimmten Menge und Häufigkeit kehrt sich die Situation allerdings manchmal um: Dann sind die Schmerzmittel die Auslöser von Kopfschmerzen; man spricht von „medikamenteninduziertem Kopfschmerz“. Oftmals ist es sehr schwierig, aus der gewohnheitsmäßigen Einnahme von Kopfschmerztabletten und dem damit verbundenen Teufelskreis wieder auszubrechen. Wer dies alleine nicht schafft, sollte sich dafür ärztliche Unterstützung suchen. Außerdem ist es häufig nötig, eine gründliche Diagnostik vorzunehmen, um herauszufinden, warum die Schmerzen überhaupt bestehen. Erst dann kann eine gezielte Schmerztherapie eingeleitet werden, falls diese notwendig ist.
TIPPWenn Sie häufiger mal zu Schmerzmitteln greifen müssen, verwenden Sie Medikamente mit nur einem Wirkstoff (Monopräparate). Wenn sie täglich Schmerzmittel benötigen, nehmen Sie solche nur in Absprache mit Ihrem behandelnden Arzt ein. Dann können Präparate ausgewählt und auch verschrieben werden, die speziell für Sie und auch für den Dauergebrauch geeignet sind!
1 Larson A. M. et al., Acetaminophen-induced acute liver failure: results of a United States multicenter, prospective study. Hepatology. 42, Nr. 6, 2005, S. 1364–1372. PMID 16317692.
2 Rote Liste: Fachinfo Paracetamol 500mg Tabletten, Rote Liste Service GmbH, FachInfo-Service, Postfach 11 01 71, 10831 Berlin
3 Rainer H. Bubenzer, Das Ende der Schmerzmittel-Nierenschäden, www.dialyse.de, Januar 2008
Autoren und Quellen
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Autor/in: Dr. med. Beate-Maria Effertz, Ärztin, Charité, Universitätsmedizin Berlin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin;
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Quellen: Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie, Band 38, Supp.1. September 2005, S. 45-48
- Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie, Themenschwerpunkt: Arzneimittelbehandlung im Alter. Band 38 Heft 3, Juni 2005
- K. U. Mayer und P. B. Baltes: Berliner Altersstudie, Akademie Verlag 2002
- Renteln-Kruse: Medizin des Alterns und des alten Menschen, Steinkopff Verlag 2004
- Praxisleitfaden Suchtmedizin des Suchtausschusses der Landesärztekammer Thüringen, Link: http://www.laek-thueringen.de/wcms/bildbez/RM.20040825.153328.677439/$File/Leitfaden-Suchtmedizin+-+aktuelle+Fassung.pdf?OpenElement
- Majic T, Pluta JP, Mell T et al., Pharmakotherapie bei neuropsychiatrischen Symptomen bei Demenz. Dtsch Ärztebl Int 2010; 107(18): 320-7
- Psychiatry, The American Geriatrics Society and American Association for Geriatric Psychiatry recommendations for policies in support of quality mental health care in U.S. nursing homes. J Am Geriatr Soc. 2003 Sep;51(9):1299-304
- Larson A. M. et al., Acetaminophen-induced acute liver failure: results of a United States multicenter, prospective study. Hepatology. 42, Nr. 6, 2005, S. 1364–1372. PMID 16317692.
- Rote Liste: Fachinfo Paracetamol 500mg Tabletten, Rote Liste Service GmbH, FachInfo-Service, Postfach 11 01 71, 10831 Berlin
- Rainer H. Bubenzer, Das Ende der Schmerzmittel-Nierenschäden, www.dialyse.de, Januar 2008, Link: http://www.dialyse.de/news/200801-Das-Ende-der-Schmerzmittel-Nierenschaeden.htm
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Aktualisiert am: 11.08.2011
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