Schlafstörungen – wenn die Nacht zum Albtraum wird
Wer sie jemals erlebt hat, weiß: Schlafstörungen machen dünnhäutig und missgelaunt, sie rauben die Konzentration und Leistungsfähigkeit. Doch damit nicht genug: Lang anhaltende, chronische Schlafstörungen, medizinisch „Insomnie“, beeinträchtigen das Immunsystem und können Depressionen hervorrufen. Sind nächtliche Atemaussetzer (Schlafapnoe) der Grund für die Schlafstörungen, besteht die Gefahr von Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen und Diabetes. Nicht zuletzt führt Schlaflosigkeit oft zum gefürchteten Sekundenschlaf am Steuer und erhöht damit das Risiko schwerer Verkehrsunfälle.Nur wenige Menschen mit Schlafstörungen suchen den Arzt auf. „Es wird schon wieder vorübergehen“, glauben die meisten. Doch Schlafexperten warnen: Wenn die Schlafstörungen länger als vier Wochen andauern, sind sie ohne ärztliche Behandlung meistens nicht mehr in den Griff zu bekommen. Mit dem Arztbesuch länger als einen Monat zu warten, führt in einen Teufelskreis: Zur Schlaflosigkeit gesellt sich die Angst davor, die alles nur noch schlimmer macht.
Zuerst zum Hausarzt, dann zum Spezialisten Viele Schlaflose befürchten, der Hausarzt könne doch nicht viel ausrichten gegen ihr Leiden und verschreibe am Ende nur Tabletten. Doch das ist kein Argument: Es gibt in Deutschland inzwischen eine Reihe
Schlafambulanzen, in denen spezialisierte Ärzte arbeiten. Einzige Voraussetzung für den Besuch ist ein Überweisungsschein des Hausarztes. In den Ambulanzen arbeiten Experten, die sich vom Patienten detailliert sein Schlafverhalten schildern lassen und nach umfassender Diagnostik eine Therapie auswählen. Dies kann eine
Verhaltenstherapie sein, eine
Entspannungstechnik, die
Schlafrestriktion oder ein modernes
Schlafmedikament, im Falle der Schlafapnoe auch eine Maske.
Jeder Zehnte ist betroffen Schlafstörungen sind weit verbreitet: Etwa jeder zehnte Erwachsene ist Umfragen zufolge davon betroffen. Am häufigsten sind
Ein- und Durchschlafstörungen, die
Schlafapnoe (nächtliche Atemaussetzer) und das
Restless-Legs-Syndrom (Syndrom der ruhelosen Beine).
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Viele Ursachen: Von Alkohol bis Wechseljahre
Fast jeder hat schon einmal Schlafstörungen erlebt: Weil ein geliebter Mensch gestorben ist, er die Kündigung erhalten hat oder vom Partner verlassen wurde. Die Liste ließe sich unendlich weiterführen. „Kummer wegen der Kinder, Sorgen um die Eltern, finanzielle Probleme – kurzum alles, was ans Herz geht, kann zum Auslöser schlechten Schlafes werden“, sagt Dr. Ingo Fietze, Leiter des Interdisziplinären Schlafmedizinischen Zentrums an der Charité.
Kummer und Sorgen sind die häufigsten Auslöser von Schlaflosigkeit, aber es gibt noch mehr:
- die hormonelle Umstellung während der Wechseljahre
- relativ hoher Alkoholkonsum am Abend – Alkohol fördert zwar das Einschlafen, beeinträchtigt jedoch das Durch- und Tiefschlafen
- Verkehrslärm, die Unruhe oder das Schnarchen des Partners
- Hitze
- Schmerzen
- Krankheiten wie Depression, Demenz, Parkinson, Refluxkrankheit (Sodbrennen), Angina pectoris und COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung)
Auch wer regelmäßig gegen die Regeln der
Schlafhygiene verstößt und z. B. abends Kaffee trinkt und raucht oder sich tagsüber nicht ausreichend bewegt, kann leicht Schlafstörungen entwickeln.
Übergewicht und Alkohol fördern Schlafapnoe
Bei der
Schlafapnoe spielen Sorgen und Stress dagegen keine Rolle. Von den nächtlichen Atemaussetzern sind vor allem Männer über 40 Jahre betroffen, aber auch Frauen im Klimakterium.
Weitere Risikofaktoren sind:
- Übergewicht
- Fehlbildungen im Kiefer-Rachen-Raum
- großer Halsumfang
Die Macht der Gene Stress in der Arbeit, Streit mit dem Ehepartner – einige Menschen schlafen trotz alledem friedlich, andere liegen wochenlang nachts wach. „Nach dem heutigen Stand der Forschung liegt es nicht an den ,Genen‘, ein schlechter oder sensibler Schläfer zu sein“, schreiben Dr. Ingo Fietze und Thea Herold in ihrem Buch „Der Schlafquotient“. Aber es wird eine genetische Veranlagung vermutet, zumindest bei Menschen, die bereits in frühen Jahren Symptome der Insomnie wahrnehmen. Viele erwachsene Schlafgestörte berichten, dass sie bereits in der Schulzeit einen leichten Schlaf hatten.
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