Dieser Inhalt benötigt den Adobe Flash Player. Diesen können Sie unter http://www.adobe.com/go/getflashplayer kostenlos herunterladen.
descriptionGrafik: Gehirn
Zu Epilepsie bestehen viele Missverständnisse und Vorurteile. Dabei ist Epilepsie eine organische Erkrankung, die nicht mit einer kranken Psyche verbunden ist.
descriptionEEG-Messung
Typische Kurven der Hirnströme zeigen im EEG auch in anfallsfreier Zeit, ob eine Epilepsie vorliegt. Andere Diagnosemöglichkeiten sind MRT und Blutuntersuchungen.
descriptionTablettenbox
Wenn Medikamente nicht ausreichend greifen, können Operation und gezielte Nervenstimulation die Übererregbarkeit der Gehirnnerven dämpfen.
descriptionKind mit Luftballons
Fieber, Wut oder Epilepsie – was ist die Ursache für einen Krampfanfall bei Kindern? Ist tatsächlich Epilepsie der Grund, helfen Diät und Medikamente.
descriptionVolleyball-Spiel
Epilepsie muss die Lebensqualität nicht einschränken. Die richtige Medikation macht die meisten Berufe, Hobbys und auch Schwangerschaft möglich.
  • Schriftgröße normal
  • Schriftgröße mittel
  • Schriftgröße maximal

Messen, wie das Gehirn auf Reize reagiert

Wie häufig kommt es zu einem Anfall? Wie läuft er ab? Wie geht es dem Patienten danach? Was Angehörige oder bei einem Anfall zufällig Anwesende beobachten, kann dem Arzt oft Schlüsselhinweise auf die Epilepsieform geben. Weitere Daten liefern moderne Untersuchungsverfahren.

Im Überblick



Schlafmangel, Fieber, Alkohol, bestimmte Geräusche oder Vibrationen. Ein epileptischer Anfall kann vielerlei Auslöser haben. Um den einmaligen „Gelegenheitsanfall“ jedoch von einer echten Epilepsie zu unterscheiden beziehungsweise eine Epilepsie genau diagnostizieren zu können, braucht es neben den Beschreibungen anderer, die das Ereignis beobachtet haben, vor allem eines: ein aussagekräftiges EEG.

Die Elektroenzephalografie misst die elektrische Aktivität der Nervenzellen der Gehirnoberfläche und schreibt sie während der Messung auf. Bei dieser völlig schmerzfreien und ungefährlichen Untersuchung werden mehrere Elektroden auf der Kopfhaut angebracht, die die elektrischen Signale im Gehirn durch den Schädelknochen hindurch registrieren können. Nach etwa 20 Minuten ist ein aussagekräftiges EEG geschrieben, das dann von einem Spezialisten ausgewertet werden kann. Liegt eine Epilepsie vor, kann das mittels mehrmaliger Elektroenzephalografie oft auch dann festgestellt werden, wenn gerade kein Anfall stattfindet. Dann finden sich im EEG neben den normalen, auch bei Gesunden auftretenden Potentialen zusätzlich epilepsietypische Potentiale, die auf eine veränderte Gehirnaktivität hinweisen. Diese epilepsietypischen Potentiale, die ein interiktales EEG (also zwischen zwei Anfällen) aufzeichnet, können sehr unterschiedlich aussehen – am häufigsten sind spitze Wellen, die sogenannten „Spike-Waves“, und scharfe Wellen, die Spezialisten als „Sharp-Waves“ bezeichnen. Von einer „Sharp-Slow-Wave“ spricht man, wenn auf eine scharfe Welle eine langsame folgt.

Vor allem in der Epilepsie-Diagnostik von Kindern und Jugendlichen gilt jedoch, dass epileptiforme Potentiale im EEG kein hundertprozentiger Beweis für eine Epilepsie sind, und umgekehrt: Das Fehlen epilepsietypischer Potentiale bedeutet nicht automatisch, dass keine Epilepsie vorliegt.

Zusätzlich empfiehlt es sich, neben dem Routine-Wach-EEG auch ein Kurzzeit-Schlaf-EEG durchzuführen, denn dieses kann spezifische epileptiforme Entladungen, zu denen es nur im Schlaf kommt, aufzeichnen. Idealerweise nimmt man den Patienten parallel dazu auch mit der Videokamera auf. So kann man epilepsietypische Bewegungen, Muskelzuckungen und auch Bewusstseinsveränderungen (wenn die Videoaufzeichnung tagsüber gemacht wird) mit den EEG-Aufzeichnungen abgleichen und die Diagnose noch präziser stellen. Eine weitere Variante stellt das Langzeit-EEG dar. Hierbei werden die Hirnströme über 24 Stunden gemessen.
↑ nach oben

Hirnstromveränderungen gezielt herbeiführen

Einerseits sind Veränderungen des Potentialmusters im EEG während eines Anfalls besonders deutlich zu erkennen, andererseits besteht die Möglichkeit, dass aus den Beobachtungen der Angehörigen oder zufällig anwesender Personen zwar mit ziemlich großer Sicherheit auf eine Epilepsie geschlossen werden kann, zwischen den Anfällen aber keine Veränderungen der Hirnstromkurven im EEG gefunden werden können. In diesem Fall wird der Arzt Mittel nutzen, um Hirnstromveränderungen zu provozieren:

Hyperventilationsreiz
Tiefes und rasches Atmen bezeichnet man in der Medizin als hyperventilieren. Bittet man nun einen Gesunden, für drei bis fünf Minuten zu hyperventilieren, und fertigt gleichzeitig ein EEG an, kann man vermehrt einen bestimmten Wellentyp, die Deltawellen, beobachten. Sie verschwinden schon nach wenigen Sekunden, in denen wieder normal geatmet wurde. Bei einem Epilepsie-Kranken werden im EEG dann jedoch häufig typische Krankheitszeichen – Zacken zum Beispiel oder Unterschiede in den beiden Gehirnhälften – nachweisbar.

Lichtreiz (Fotostimulation)
Eine andere Provokationsmethode besteht darin, während des EEGs immer schneller werdendes Flackerlicht einzusetzen. Während bei Gesunden parallel zu den Lichtblitzen bestimmte Hirnstromsignale verstärkt werden, kann das Flackerlicht bei Menschen mit Epilepsie typische epilepsiebedingte Veränderungen in den EEG-Ableitungen auslösen.

Schlafentzug
Wenn bei Verdacht auf Epilepsie ein unter normalen Bedingungen angefertigtes EEG nicht aussagekräftig ausfällt, kann Schlafentzug epilepsietypische Hirnstromveränderungen deutlicher hervortreten lassen.
↑ nach oben

Wenn eine OP geplant ist

Da ein EEG nur die oberflächlichen Hirnströme messen kann, ist beispielsweise zur Abklärung von Anfällen aus tiefergelegenen Hirnarealen und auch zur Operationsvorbereitung in speziellen Fällen ein intrakranielles EEG (also im Gehirn direkt gemessen) nötig. In diesem Fall können EEG-Elektroden direkt auf der Gehirnoberfläche aufgebracht werden – ein kleiner operativer Eingriff, mit dem sich sehr genaue Ergebnisse erzielen lassen.
↑ nach oben

Der Ursache auf der Spur: Die Epilepsiediagnostik

Der Nachweis einer Epilepsie gibt in vielen Fällen noch keine Auskunft darüber, was ihre eigentliche Ursache ist. Während bei vielen Epilepsiekranken keine Ursache für die Erkrankung gefunden werden kann, lässt sich mit bestimmten bildgebenden Verfahren bei anderen Patienten eine hirnorganische Ursache feststellen. Neben Bluttests wird je nach Fragestellung auch der Liquor (also die Rückenmarks-und Gehirnflüssigkeit) untersucht. Mit neuropsychologischen Tests können Störungen der mentalen Leistungsfähigkeit erkannt werden. Als aussagekräftige bildgebende Verfahren werden MRT (Magnetresonanztomografie) oder das CCT (Computertomografie) eingesetzt.
  • Untersuchung von Blut und Serum
    Mit einer labortechnischen Untersuchung des Blutes kann man feststellen, ob hinter einem Anfall zum Beispiel eine Schilddrüsenunterfunktion oder eine Unterzuckerung stecken.
  • Untersuchung des Liquor
    Bei Verdacht auf eine Entzündung des zentralen Nervensystems wird im Rahmen einer Rückenmarkspunktion Liquor, umgangssprachlich auch als ‚Nervenwasser‘ bezeichnet, gewonnen und im Labor untersucht.
  • MRT
    Am häufigsten verwendet man die Magnetresonanztomografie (MRT) oder die zerebrale Computertomografie (CCT) zur Diagnostik bei Epilepsie. Beides sind ungefährliche Methoden mit einer hohen diagnostischen Aussagekraft. Allerdings ist die Strahlenbelastung eines CCT nicht unerheblich.

↑ nach oben

Wenn eine OP geplant ist

Da ein EEG nur die oberflächlichen Hirnströme messen kann, ist beispielsweise zur Abklärung von Anfällen aus tiefergelegenen Hirnarealen und auch zur Operationsvorbereitung in speziellen Fällen ein intrakranielles EEG (also im Gehirn direkt gemessen) nötig. In diesem Fall können EEG-Elektroden direkt auf der Gehirnoberfläche angebracht werden – ein kleiner operativer Eingriff, mit dem sich sehr genaue Ergebnisse erzielen lassen.

Ein Langzeit-Video-EEG-Monitoring verläuft oft über mehrere Tage (drei bis acht Tage) und dient der Eingrenzung der epileptogenen Zone. Auch dienen die folgenden beiden Untersuchungen der präoperativen Planung:

  • PET
    Die Positronen-Emissions-Tomografie, kurz PET genannt, ist ein Verfahren, mit dem man Stoffwechselvorgänge im Gehirn und die Hirndurchblutung dreidimensional darstellen kann. Sie ist sehr aufwendig und gehört nicht zur Routinediagnostik bei Epilepsie. Damit eine PET gemacht werden kann, spritzt man dem Patienten eine kleine Menge radioaktiv markierten Materials in eine Armvene. Einige Stunden später kann man aufgrund der Verteilung des Materials Stoffwechselvorgänge im Gehirn beurteilen. Die PET wird als Möglichkeit betrachtet, die Planung der Epilepsiechirurgie zu verbessern.
  • SPECT
    SPECT ist die Abkürzung für Single Photon Emission Computed Tomography (Einzelphotonen-Emissions-Tomografie). Die Untersuchung gleicht der PET, ist jedoch nicht ganz so genau und weniger aufwendig. Inzwischen wird sie nicht nur von Kliniken, sondern auch von niedergelassenen Neurologen angeboten.
  • MEG
    Bei der Magnetenzephalografie werden kleinste Magnetfelder gemessen und in 3D-Technik aufgezeichnet. Dies dient der Lokalisation von fokalen Herden im Gehirn.

↑ nach oben

Andere Anfallursachen

Nicht alle Anfälle, die wie ein epileptischer Anfall aussehen, gehen tatsächlich auf das Konto einer Epilepsie. Häufig können nur Experten und eine exakte Differentialdiagnose bestimmen, ob es sich um eine Epilepsie oder eine andere Erkrankung handelt, in deren Folge es zu Anfällen kommt. Mögliche Grunderkrankungen, die ausgeschlossen werden müssen, um sicher sagen zu können, dass ein Patient an Epilepsie leidet, sind beispielsweise:
  • Migräne
    Meist ist ein Migräneanfall relativ leicht von einer Epilepsie zu unterscheiden: Typisch sind die pochenden Schmerzen, Übelkeit und Erbrechen und die erhöhte Licht- und Geräuschempfindlichkeit. Auch die Aura (meist Sehstörungen: Lichtblitze, Flimmern und Zickzack-Linien), die bei etwa zehn Prozent der Menschen mit Migräne einem Anfall vorausgeht, unterscheidet sich durch ihre längere Dauer von der Aura, die manche Epileptiker beschreiben.
  • Transitorisch-ischämische Attacke (TIA)
    Die TIA ist eine neurologische Störung, die in ihren Symptomen einem Schlaganfall gleicht. Die typischen Symptome einer TIA – unter anderem Sehstörungen, Schwindel, schleppende Sprache, Taubheitsgefühle um den Mund herum, Schluckstörungen – bilden sich zwar vollständig wieder zurück, gelten aber als Alarmzeichen für einen Schlaganfall und müssen deswegen unbedingt ärztlich abgeklärt werden.
  • Synkopen
    Synkopen sind anfallsartige Bewusstseinsverluste, die nur wenige Sekunden andauern und mit einem Verlust der Muskelspannung einhergehen. Synkopen haben nichts mit Epilepsie zu tun, sondern werden durch eine vorübergehende Verminderung der Hirndurchblutung verursacht.
  • Narkolepsie
    Bei der Narkolepsie ist das Schlafverhalten gestört. Die Betroffenen zeigen typischerweise vier Symptome:
    • Tagesschläfrigkeit, die die Betroffenen auch bei aktiven Tätigkeiten überfallen kann.
    • Schlaflähmung: In der Einschlaf- und der Aufwachphase sind die Betroffenen wie gelähmt und können sich nicht rühren. Manchmal muss man sie schütteln, um diesen Zustand zu beenden.
    • ‚Wachträume‘, die sogenannten hypnagogen Halluzinationen, bei denen die Betroffenen in halbwachem Zustand ‚träumen‘, ohne sich jedoch bewegen zu können.
    • Kataplexie: Bei den Betroffenen verringert sich schlagartig die Spannung der Muskulatur, sodass sie – in leichteren Fällen – lediglich in den Knien einknicken, bei ausgeprägten Attacken aber auch stürzen können. Das Bewusstsein ist dabei nicht vermindert.
Die Narkolepsie hat nichts mit Epilepsie zu tun und wird, so vermuten Experten, wahrscheinlich durch eine ungenügende Ausreifung der Schlaf-Wach-Regulation im Gehirn verursacht. Auch im Zusammenhang mit anderen Hirnerkrankungen oder Hirnverletzungen kann es zur Ausbildung einer Narkolepsie kommen.
↑ nach oben

EEG-Aufzeichnung
© iStockphoto
Spitze und scharfe Wellen – das EEG ist das wichtigste diagnostische Instrument, um die bei Epilepsie veränderten Gehirnstromaktivitäten nachweisen zu können.
Schlafendes Kind
© iStockphoto
Bestimmte Veränderungen, die auf eine Epilepsie hinweisen, zeigen sich nur im Schlaf. Deshalb kann es wichtig sein, ein Kurzzeit-Schlaf-EEG durchzuführen.
Disco
© iStockphoto
Flackerlicht wie in der Disco kann bei manchen Menschen einen epileptischen Anfall auslösen. Im Bereich der Diagnostik wird ein hochfrequenter Hell-Dunkel-Wechsel eingesetzt, um epilepsietypische Veränderungen im Gehirn nachzuweisen.
Magnetresonanztomografie des Gehirns
© iStockphoto
Mit Magnet-Resonanz-Tomografie (MRT) lässt sich bei einigen Epilepsie-Patienten eine hirnorganische Ursache für ihre Erkrankung feststellen.